Ratgeber
Reiseübelkeit: Was unterwegs helfen kann
Wenn Ihnen beim Autofahren, Fliegen oder auf einem Schiff übel wird, legen Sie Buch oder Handy zur Seite und schauen Sie nach vorn oder in die Ferne. Bei einer Autofahrt kann eine Pause an frischer Luft helfen. Wer regelmäßig unter Reiseübelkeit leidet, sollte die nächste Fahrt schon bei der Planung darauf abstimmen, etwa mit einem passenden Sitzplatz und gegebenenfalls einem geeigneten Arzneimittel.
Reiseübelkeit gehört zur Reisekrankheit, medizinisch Kinetose. Neben Übelkeit können Schwindel, Blässe, Schwitzen und Erbrechen auftreten. Die Beschwerden entstehen durch Bewegung, etwa auf einer kurvigen Straße oder bei Seegang. Übelkeit auf Reisen kann aber auch andere Ursachen haben.
Alle RatgeberWarum wird einem beim Lesen im Auto schlecht?
Ihr Gleichgewichtsorgan nimmt Kurven und Beschleunigung wahr, während die Augen auf ein scheinbar stillstehendes Buch oder Display gerichtet sind. Diese widersprüchlichen Informationen können Reiseübelkeit auslösen.
Ähnlich ist es im Inneren eines schwankenden Schiffs: Sie sitzen auf einem Stuhl, der Körper registriert aber die Bewegung. Das ist eine körperliche Reaktion auf Sinneseindrücke. Sie lässt sich nicht einfach durch Zusammenreißen verhindern.
Kinder sind häufig betroffen, besonders im Alter von etwa zwei bis zwölf Jahren. Auch Erwachsene können bei einer Fahrt Beschwerden bekommen, obwohl andere Reisen problemlos verliefen.
Früh reagieren: Müdigkeit, Blässe und andere Anzeichen
Reisekrankheit beginnt nicht immer mit deutlich spürbarer Übelkeit. Häufiges Gähnen, auffällige Müdigkeit, Blässe oder vermehrter Speichelfluss können vorausgehen. Später kommen manchmal kalter Schweiß, Schwindel und Erbrechen hinzu.
Bei Kindern fällt vielleicht zuerst auf, dass sie still werden oder über Bauchweh klagen. Fragen Sie nach, legen Sie eine Pause ein, wenn das möglich ist, und unterbrechen Sie das Lesen oder Spielen am Bildschirm. Eine griffbereite Tüte und Wechselkleidung machen die Situation leichter, falls das Kind trotzdem erbricht.
Reiseübelkeit ohne Medikamente lindern und vorbeugen
Schauen Sie nach vorn auf die Straße oder auf einen möglichst ruhigen Punkt in der Ferne. Musik oder ein Hörspiel können Buch und Handy ersetzen, ohne dass Sie auf einen Bildschirm sehen müssen.
Vor und während der Fahrt sind kleine, leichte Mahlzeiten oft angenehmer als sehr üppiges oder fettiges Essen. Verzichten Sie auf Alkohol, planen Sie Pausen ein und vermeiden Sie starke Gerüche, soweit es geht.
Diese Maßnahmen können Sie ausprobieren, sie helfen aber nicht allen Menschen gleich gut. Für viele einzelne Verhaltenstipps ist die Studienlage begrenzt. Das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs erklärt die Grundlagen der Reisekrankheit und ordnet die Möglichkeiten ein.
Im Auto und Bus
Ein Platz mit guter Sicht nach vorn kann günstig sein. Im Bus kommt dafür häufig ein vorderer Sitz infrage. Bei Autofahrten können Sie an einem sicheren Ort anhalten, sobald die Beschwerden zunehmen.
Bei Kindern bleiben der geeignete Kindersitz, sein korrekter Einbau und die sichere Sitzposition maßgeblich. Verändern Sie die Sicherung nicht, damit das Kind vermeintlich besser hinaussehen kann. Nutzen Sie die Sichtmöglichkeiten innerhalb der sicheren Sitzanordnung.
Bei Seekrankheit auf dem Schiff
Der mittlere Schiffsbereich und der Blick auf den Horizont können entlasten. Wenn Wetter und Sicherheitslage es erlauben, ist ein Aufenthalt an Deck oft angenehmer als ein Innenraum ohne Sicht nach draußen.
Halten Sie sich an die Anweisungen der Besatzung. Bei stärkerem Schwindel bleiben Sie an einem sicheren Sitzplatz, statt für eine bessere Aussicht über das Deck zu gehen.
Im Flugzeug
Im Bereich der Tragflächen sind die Bewegungen häufig weniger stark spürbar. Das Auswärtige Amt empfiehlt diesen Sitzbereich bei entsprechender Neigung. Berücksichtigen Sie das möglichst schon bei der Buchung.
Bleiben Sie angeschnallt, besonders bei Turbulenzen. Wenn es Ihnen schlecht geht, sprechen Sie die Kabinenbesatzung an. Für die Mitnahme Ihrer Arzneimittel finden Sie Hinweise unter Medikamente im Handgepäck.
Welche Medikamente gegen Reiseübelkeit kommen infrage?
Zu den eingesetzten Wirkstoffen gehört Dimenhydrinat. Für bestimmte Reisesituationen gibt es auch verschreibungspflichtige Möglichkeiten. Wenn Sie regelmäßig starke Beschwerden haben, lohnt sich vor der nächsten Fahrt eine Beratung zur Auswahl und Anwendung.
Was Sie bei der Auswahl ansprechen sollten
Es macht einen Unterschied, ob Sie Reiseübelkeit vorbeugen möchten oder bereits Beschwerden haben. Nicht jedes Mittel ist für beide Situationen gleichermaßen geeignet. Auch der richtige Einnahmezeitpunkt hängt vom Präparat ab.
Sagen Sie in der Apotheke, für wen das Arzneimittel gedacht ist. Wichtig sind das Alter, bei Kindern auch das Körpergewicht, bestehende Erkrankungen und andere Medikamente. In der Schwangerschaft und Stillzeit muss die Eignung besonders sorgfältig geprüft werden.
Erwähnen Sie außerdem, wenn Sie unterwegs oder nach der Ankunft selbst Auto fahren müssen. Manche Mittel können müde machen und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Das sollte bereits bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Lesen Sie die Gebrauchsinformation des ausgewählten Präparats und lassen Sie sich erklären, was Sie tun können, wenn die Übelkeit schon eingesetzt hat. Einnahmezeitpunkte eines Mittels lassen sich nicht einfach auf andere Präparate übertragen.
Packen Sie das passende Präparat griffbereit ein. Bei der übrigen Vorbereitung hilft unser Ratgeber zum Zusammenstellen einer Reiseapotheke.
Reisetabletten und Autofahren: Auch die Ankunft zählt
Bestimmte Mittel gegen Reiseübelkeit können schläfrig machen und Konzentration oder Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Das betrifft auch rezeptfreie Arzneimittel. Alkohol und andere dämpfende Medikamente können die Wirkung verstärken. Solche Hinweise finden sich beispielsweise in der Gebrauchsinformation eines Dimenhydrinat-Präparats.
Denken Sie an den ganzen Reisetag. Wenn Sie nach dem Flug einen Mietwagen übernehmen oder nach der Busfahrt selbst weiterfahren möchten, sprechen Sie das bei der Auswahl an. Die Wirkung kann noch relevant sein, obwohl die Übelkeit bereits vorbei ist.
Fahren Sie bei Schläfrigkeit, Benommenheit oder eingeschränkter Aufmerksamkeit nicht selbst. Auch starke Reiseübelkeit ohne Medikament kann das sichere Fahren beeinträchtigen. Beachten Sie die Hinweise des Präparats zur Fahrtüchtigkeit.
Reiseübelkeit bei Kindern: Arzneimittel sorgfältig auswählen
Besprechen Sie die Auswahl vorab mit der Kinderarztpraxis oder Apotheke. Ein Produkt mit kindlicher Darreichungsform ist nicht für jedes Alter und Körpergewicht geeignet. Geben Sie Kindern nicht einfach ein Mittel aus dem Familienvorrat.
Für Dimenhydrinat und Diphenhydramin sind besonders bei kleinen Kindern schwerwiegende Nebenwirkungen und Risiken durch Überdosierung bekannt. Bei Kindern unter drei Jahren gelten besonders strenge Anforderungen an die medizinische Begründung einer Anwendung. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft erläutert diese Risiken.
Setzen Sie ein Mittel gegen Übelkeit nicht ein, damit das Kind die Fahrt verschläft. Entscheidend sind die Beschwerden und eine für das Kind geeignete Behandlung.
Hilft Ingwer gegen Reiseübelkeit?
Für bestimmte Arzneimittelzubereitungen aus pulverisiertem Ingwerwurzelstock bewertet die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA die Vorbeugung von Reiseübelkeit und Erbrechen bei Erwachsenen als wissenschaftlich gestützt. Das gilt nicht pauschal für Ingwertee, Süßigkeiten oder beliebige Nahrungsergänzungsmittel.
Für Kinder und Jugendliche gelten eigene Anforderungen. In Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt die EMA die von ihr bewerteten Ingwerarzneimittel nicht. Lassen Sie deshalb die Eignung des ausgewählten Präparats prüfen, auch wenn es pflanzlich ist, und beachten Sie seine Gebrauchsinformation.
Wann brauchen Sie medizinische Hilfe?
Typische Reiseübelkeit bessert sich meist, wenn die auslösende Bewegung endet. Beschwerden, die nach der Reise anhalten, ohne passenden Bewegungsauslöser auftreten oder ungewöhnlich stark sind, sollten ärztlich abgeklärt werden.
Bei wiederholtem Erbrechen und Schwierigkeiten, Flüssigkeit bei sich zu behalten, ist zeitnahe medizinische Hilfe sinnvoll. Achten Sie besonders bei Kindern und älteren Menschen auf Zeichen eines Flüssigkeitsmangels, etwa dunklen Urin, trockenen Mund oder ausgeprägte Schwäche.
Plötzliche Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen oder Bewusstlosigkeit sind ein Notfall. Rufen Sie in Deutschland und der EU die 112 und warten Sie solche Beschwerden nicht als vermeintliche Reiseübelkeit ab.
Quellen und weiterführende Informationen
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Reisekrankheit
- ADAC: Was kann man gegen Reiseübelkeit im Auto tun?
- ADAC: Reiseübelkeit bei Kindern: Alternativen zu Reisetabletten
- Techniker Krankenkasse: Das hilft gegen die Reisekrankheit
- Auswärtiges Amt: Entspanntes Fliegen
- Klinge Pharma, veröffentlicht im PatientenInfo-Service: Vomex A Dragees, Gebrauchsinformation
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Drug Safety Mail 2018-72: Information zu Dimenhydrinat- und Diphenhydramin-haltigen Arzneimitteln
- EMA: Zingiberis rhizoma
- München Klinik: Schwindel, Vertigo
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreich: Flüssigkeitsbedarf
- gesund.bund.de: Nummern für den Notfall
